Der Moment vor dem Klick
Du öffnest dein LinkedIn-Profil. Ganz oben die Einstellung „Offen für neue Jobs“. Ein Klick, und alle sehen den grünen Rahmen um dein Foto.
Und dann zögerst du. Was denken die ehemaligen Kolleg:innen? Die Kund:innen, mit denen du jahrelang auf Augenhöhe verhandelt hast? Die Führungskraft, die dich früher abwerben wollte?
Viele, mit denen ich arbeite, lassen es in diesem Moment lieber. Sie aktualisieren nichts, posten nichts und hoffen, dass sich die Suche still erledigt. Das ist verständlich. Eine Kündigung fühlt sich an wie etwas, das man erst einmal mit sich selbst ausmachen möchte.
Nur: Wer still sucht, sucht meistens länger.
Warum Schweigen dir gerade nicht hilft
Ein großer Teil der Stellen für erfahrene Fach- und Führungskräfte wird nicht über Anzeigen besetzt, sondern über Empfehlungen und Gespräche. Jemand hört von einer Rolle, die gerade entsteht, und denkt an eine Person, die passen könnte.
Das funktioniert aber nur, wenn diese Person weiß, dass du offen bist. Dein Netzwerk kann dich nicht empfehlen, wenn es glaubt, dass du noch fest im Sattel sitzt.
Dazu kommt etwas, das oft unterschätzt wird: In Zeiten von Restrukturierungen ist eine Kündigung kein Makel mehr. Wenn ganze Standorte schließen und Funktionen zentralisiert werden, weiß jede:r in der Branche, dass es dabei selten um einzelne Personen geht. Die Scham sitzt meistens viel stärker bei dir als bei denen, die davon erfahren.
Grüner Rahmen oder nicht?
LinkedIn bietet zwei Varianten. Du kannst „Offen für neue Jobs“ für alle sichtbar machen, dann erscheint der grüne Rahmen um dein Profilbild. Oder du stellst es so ein, dass nur Recruiter:innen es sehen. LinkedIn weist dabei selbst darauf hin, dass es nicht vollständig ausschließen kann, dass auch Recruiter:innen aus deinem aktuellen Unternehmen das sehen.
Über den grünen Rahmen wird viel gestritten. Die einen sagen, er wirkt bedürftig. Die anderen sagen, er macht es Recruiter:innen leichter. Ich halte beide Positionen für zu pauschal.
Meine Erfahrung: Für erfahrene Fach- und Führungskräfte ist die Variante „nur für Recruiter:innen“ fast immer sinnvoll. Ob du zusätzlich den grünen Rahmen setzt, ist eine Frage, wie du dich damit fühlst. Wenn er dich jedes Mal, wenn du dein Profil siehst, an die Kündigung erinnert, lass ihn weg. Er ist keine Pflicht.
Viel wichtiger als der Rahmen ist ohnehin, was in deinem Profil steht.
Deine Headline: Positionierung statt Status
Die Headline ist der Satz unter deinem Namen. Sie erscheint überall: in Suchergebnissen, unter jedem Kommentar, in jeder Kontaktanfrage. Und genau hier passiert nach einer Kündigung oft der häufigste Fehler.
Da steht dann: „Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung“. Oder: „Open to new opportunities“. Das ist ehrlich gemeint, sagt aber nichts darüber, wofür du stehst. Es beschreibt einen Zustand, nicht deinen Wert.
Besser ist eine Headline, die zeigt, was du kannst und wofür man dich holt. Zum Beispiel:
Statt: „Senior Brand Manager | Auf Jobsuche“
Besser: „Brand Lead Consumer Health | Markteinführungen von der Idee bis zum Regal | OTC und Dermokosmetik“
Statt: „Head of Analytics bei [Firma] bis 12/2026“
Besser: „Commercial Analytics Lead | Aus Daten Entscheidungen machen | Forecasting, Launch-Tracking, Field Force Effectiveness“
Eine solche Headline funktioniert in der Freistellung genauso wie danach. Sie macht dich auffindbar für die Begriffe, nach denen Recruiter:innen suchen, und sie verändert, wie du selbst auf deine Situation schaust.
Aktuelle Position, Freistellung und die Lücke
Eine der häufigsten Fragen in meinen Gesprächen: Was trage ich ein, wenn ich freigestellt bin? Und was, wenn der Vertrag endet und noch nichts Neues da ist?
Während der Freistellung bist du formal noch angestellt. Deine Position darf also als aktuell stehen bleiben. Du bist niemandem eine öffentliche Erklärung schuldig.
Nach dem Vertragsende trägst du das Enddatum ein. Erfinde keine Beratungsfirma oder Interimsrolle, wenn es sie nicht gibt. Das fällt im ersten Gespräch auf. LinkedIn bietet inzwischen die Möglichkeit, eine berufliche Pause einzutragen. Das ist ehrlich und wird in der Regel deutlich gelassener gesehen, als viele befürchten.
Im Lebenslauf gilt dasselbe. Ein paar Monate zwischen zwei Stellen sind in der aktuellen Lage normal, gerade nach einer Restrukturierung. Wenn du die Zeit gezielt nutzt, etwa für eine Weiterbildung oder ein Projekt, darf das gerne mit einer Zeile drinstehen. Wichtig ist nur, dass Lebenslauf, LinkedIn-Profil und deine Antwort im Gespräch zusammenpassen.
Wie du es deinem Netzwerk sagst
Du brauchst keinen großen Abschiedspost. Viel wirksamer sind einzelne, persönliche Nachrichten an Menschen, die deine Arbeit kennen.
Wenn du trotzdem einen Post schreiben möchtest, halte ihn kurz und nach vorne gerichtet. Drei Teile reichen: was sich verändert hat, was du mitnimmst und wonach du suchst. Zum Beispiel:
„Nach acht Jahren endet meine Zeit bei [Firma], unser Standort wird geschlossen. Ich bin dankbar für ein großartiges Team und zwei Markteinführungen, auf die ich stolz bin. Jetzt suche ich eine Rolle im Brand Management Consumer Health, gerne in einem Unternehmen, das gerade aufbaut. Wenn dir dazu jemand einfällt, freue ich mich über einen Hinweis.“
Was du besser weglässt: Kritik am Arbeitgeber, Details zur Trennung und den Satz „Ich bin offen für alles“. Wer für alles offen ist, wird für nichts empfohlen.
Ein erster Schritt für heute
Schreib deine Headline neu. Nicht als Status, sondern als Antwort auf die Frage: Wofür holt man dich?
Und dann schreib drei Menschen eine kurze, persönliche Nachricht, die deine Arbeit kennen und dich mögen. Nicht mit der Bitte um einen Job, sondern mit einem Update und einer konkreten Frage. Meistens ist genau das der Moment, in dem die Suche aus der Stille herauskommt.
Du weißt nicht, wie du dich gerade zeigen sollst?
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