Du hast die Nachricht getippt und wieder gelöscht? Wie Netzwerken in der Jobsuche gelingt, ohne dass du dich als Bittsteller fühlst.

Die Nachricht ist längst getippt. An den Kollegen aus dem Launch-Team von damals, mit dem du monatelang zusammengearbeitet und ein großes Projekt gemeinsam durchgezogen hast.

„Hallo, lange nichts gehört, wie geht es dir eigentlich?“

Und dann kommt der Gedanke: Der merkt doch sofort, warum ich schreibe.

Also löschst du sie wieder.

Wenn du gerade einen neuen Job suchst, kennst du diesen Moment vielleicht. Du weißt, dass viele Rollen über Kontakte vergeben werden. Du hast nach vielen Jahren in der Branche ein Netzwerk, das andere gern hätten. Und trotzdem bewirbst du dich lieber über Portale, auf denen dich niemand kennt.

Ich kann das gut nachvollziehen. Und gleichzeitig ist es eine der größten Chancen, die in der Jobsuche liegen bleiben.

Warum fällt es so schwer, sich zu melden?

Hinter dem Zögern steckt meistens eine Annahme: dass du mit leeren Händen kommst. Dass du nur etwas willst und nichts zu geben hast. Dass du als Bittsteller dastehst.

Gerade erfahrene Fach- und Führungskräfte trifft das besonders. Wer sich jahrelang als die Person erlebt hat, die liefert, entscheidet und Verantwortung trägt, dem fällt es schwer, plötzlich um etwas zu bitten. Noch dazu in einer Phase, in der das Selbstvertrauen ohnehin wackelt, weil eine Umstrukturierung, eine Kündigung oder viele Absagen daran genagt haben.

Dabei stimmt die Annahme nicht. Du bringst viele Jahre Erfahrung mit. Du weißt, wie diese Branche funktioniert, wo es klemmt und wer wen kennt. Für die meisten Menschen in deinem Netzwerk bist du kein Bittsteller, sondern jemand, mit dem man gern spricht.

Denk einmal an das letzte Mal, als dich jemand um deine Einschätzung gebeten hat. Hast du dich gestört gefühlt? Oder eher ein bisschen geehrt?

Und dein Zögern hat übrigens auch eine gute Seite. Es zeigt, dass du Beziehungen nicht benutzen willst. Genau das macht dich zu einem Kontakt, dem man gern weiterhilft. Die Kunst ist nur, dass diese Rücksicht dich nicht davon abhält, dich überhaupt zu melden.

Warum Kontakte in der Pharmabranche so viel bewirken

Ich habe meinen besten Job nicht über eine Bewerbung bekommen. Sondern über jemanden, der wusste, wie ich arbeite.

Das ist kein Zufall. Die Pharmabranche ist kleiner, als sie von außen wirkt. Menschen wechseln zwischen Unternehmen, Agenturen, Beratungen und Dienstleistern, und man trifft sich nach ein paar Jahren an anderer Stelle wieder. Viele Rollen werden besetzt, bevor sie jemals auf einem Stellenportal stehen. Wie dieser verdeckte Arbeitsmarkt funktioniert, habe ich im Artikel „Der verdeckte Arbeitsmarkt: Wie Stellen vergeben werden, bevor sie ausgeschrieben sind“ beschrieben.

Der Grund dafür ist einfach. Ein Lebenslauf zeigt, was du gemacht hast. Ein Mensch, der mit dir gearbeitet hat, weiß, wie du arbeitest. Wie du mit Druck umgehst, wie du mit Teams umgehst, ob man sich auf dich verlassen kann. Für jemanden, der eine Stelle besetzen will, ist genau das die eigentliche Frage. Eine Empfehlung von einer Person, der man vertraut, beantwortet sie oft schneller als jede Formulierung im Lebenslauf.

Wen kannst du anschreiben?

Nach vielen Jahren in der Branche kennst du mehr Menschen, als dir in diesem Moment bewusst ist. Oft hilft es, sich einmal hinzusetzen und aufzuschreiben, wer alles dazugehört.

Da sind frühere Kolleginnen und Kollegen, die heute in anderen Unternehmen arbeiten. Ehemalige Führungskräfte, die dich gut kennen. Menschen aus Agenturen, Beratungen und bei Dienstleistern, mit denen du Projekte umgesetzt hast. Sie arbeiten mit vielen Unternehmen gleichzeitig und hören oft als Erste, wo gerade ein Team aufgebaut wird. Dazu kommen Kontakte von Kongressen, aus Verbänden oder Fachgruppen, und Personalberaterinnen und Personalberater, die sich auf die Branche spezialisiert haben.

Schreib dir zwanzig Namen auf, ohne vorher zu bewerten, ob sie dir „etwas bringen“. Die hilfreichsten Hinweise kommen oft nicht von denen, die über eine Stelle entscheiden. Sondern von Menschen, die nah dran sind und wissen, wo sich gerade etwas bewegt.

Die erste Nachricht: ohne Anliegen

Der naheliegende Weg ist eine Nachricht wie: „Ich bin gerade auf Jobsuche, habt ihr bei euch etwas?“ Das ist ehrlich, funktioniert aber selten. Die Frage lässt deinem Gegenüber nur Ja oder Nein. Meistens lautet die Antwort Nein, und dann ist das Gespräch vorbei, bevor es angefangen hat.

Besser ist eine Nachricht, die ein Gespräch eröffnet statt eine Anfrage zu stellen. Schreib nicht, dass es dir leid tut, dass du dich so lange nicht gemeldet hast. Schreib, warum du gerade an die Person denkst.

Dafür reichen drei Bausteine: ein konkreter Anlass von außen, eine gemeinsame Erinnerung und eine offene Frage ohne Anliegen. So kann das aussehen:

„Ich habe gesehen, dass ihr das neue Produkt gelauncht habt. Musste sofort an unser Projekt damals denken. Wie läuft es bei euch?“

Das ist keine Taktik. Das ist ein Gespräch. Anlässe findest du gerade auf LinkedIn fast jeden Tag: ein Beitrag, ein Jobwechsel, ein Firmenjubiläum, ein Launch, ein Vortrag auf einem Kongress.

Wann sagst du, was du suchst?

Wenn das Gespräch läuft, kommt fast immer irgendwann die Frage zurück: „Und wie geht es bei dir weiter?“ Das ist der Moment.

Viele antworten dann ausweichend. „Ich schaue mich gerade mal um“ oder „Ich bin offen für Neues“. Das ist verständlich, aber es bleibt niemandem im Kopf. Niemand kann dir weiterhelfen, wenn unklar ist, wobei.

Hilfreicher sind ein bis zwei Sätze, die du vorher für dich formuliert hast. Welche Art von Rolle suchst du, in welchem Umfeld, und was bringst du mit? Zum Beispiel: „Ich suche eine Rolle an der Schnittstelle von Medical und Marketing, gern mit Führungsverantwortung.“ Mit so einem Satz kann dein Gegenüber etwas anfangen. Er fällt ihm wieder ein, wenn in drei Wochen jemand genau so eine Person sucht.

Und dann frag nicht nach einem Job, sondern nach einer Einschätzung. „Wie erlebst du den Markt gerade bei euch?“ Oder: „Mit wem sollte ich deiner Meinung nach sprechen?“ Gerade die zweite Frage öffnet oft Türen, an die du selbst nicht gedacht hättest.

Das setzt allerdings voraus, dass du weißt, wonach du suchst. Wenn diese Frage bei dir noch offen ist, lohnt es sich, zuerst dort anzusetzen. Warum die Reihenfolge so viel ausmacht, liest du im Artikel „Wenn dein Job wackelt: Was du zuerst tun solltest und was besser nicht.“

Und wenn niemand antwortet?

Manche werden nicht antworten. Das gehört dazu, und es hat in den allermeisten Fällen nichts mit dir zu tun. Ein volles Postfach, eine eigene Umstrukturierung, eine Nachricht, die zwischen hundert anderen verschwunden ist.

Nach zwei bis drei Wochen ist eine freundliche Erinnerung völlig in Ordnung. Danach lass es gut sein und wende dich den nächsten Namen auf deiner Liste zu.

Achte dabei auf die innere Stimme, die sich gern meldet: „Siehst du, ich störe.“ Genau dieser Gedanke sollte nicht entscheiden, ob du weitermachst. Wenn aus zehn Nachrichten zwei oder drei echte Gespräche werden, ist das kein Misserfolg. Es ist ein guter Anfang.

Netzwerken ist kein Sprint

Du erreichst mehr mit zwei oder drei Kontakten pro Woche, die du wirklich pflegst, als mit vierzig Nachrichten an einem Abend. Gespräche brauchen Zeit, und manche Hinweise kommen erst Wochen später.

Und gib etwas zurück, wo es passt. Teile einen Artikel, der die andere Person interessieren könnte. Stelle jemanden vor. Gratuliere zum neuen Job. Und sag Danke, auch wenn aus einem Gespräch nicht sofort etwas entsteht.

Wenn du deine neue Rolle gefunden hast, erzähl es den Menschen, die dir unterwegs geholfen haben. Sie wollen wissen, wie es ausgegangen ist. Und dein Netzwerk ist danach nicht verbraucht, sondern stärker als vorher.

Vielleicht ist heute ein guter Tag, die gelöschte Nachricht noch einmal zu schreiben. Mit einem Anlass, einer gemeinsamen Erinnerung und einer offenen Frage. Ohne Entschuldigung.

Du weißt, wen du anschreiben könntest, aber nicht, was du sagen sollst?

Im Klarheitsgespräch schauen wir gemeinsam darauf, wonach du suchst, wie du es in zwei Sätzen sagen kannst und wer in deinem Netzwerk davon wissen sollte. Unverbindlich und kostenfrei, 30 Minuten.

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