Wenn dein Job wackelt: Was du zuerst tun solltest und was besser nicht

Der Moment, in dem sich etwas verschiebt

Meistens ist es kein großer Knall. Es ist eine Mail vom Vorstand mit dem Betreff „Strategische Neuausrichtung“. Ein Townhall, der kurzfristig in den Kalender rutscht. Eine Führungskraft, die plötzlich keine Aussagen mehr zum nächsten Jahr macht. Oder ein Budget, das gerade gerechnet wird, und du weißt nicht, ob deine Stelle darin noch vorkommt.

Offiziell ist noch nichts entschieden. Aber du spürst: Mein Job wackelt.

Was in den Tagen danach passiert, ist in der Pharmabranche erstaunlich ähnlich, ganz gleich ob im Marketing, im Medical Affairs, im Commercial Bereich oder in der Analytics. Der Kopf schaltet auf Handlung. Und fast alle greifen zu denselben drei Dingen.

Warum fangen fast alle mit dem Lebenslauf an?

Lebenslauf aktualisieren. Stellenportale durchsuchen. Die ersten Bewerbungen abschicken. So beginnt fast jede Neuorientierung, die unter Druck entsteht.

Das ist verständlich. Es sind die einzigen drei Dinge, die sich sofort tun lassen. Sie sehen nach Fortschritt aus, sie lassen sich abhaken, und sie geben dir ein Stück Kontrolle zurück in einer Situation, in der gerade andere über deine Zukunft entscheiden.

Das Problem ist nicht, dass diese Schritte falsch wären. Das Problem ist die Reihenfolge. Denn in dieser Reihenfolge fehlt die Frage, die alles andere entscheidet: Wohin eigentlich?

Was passiert, wenn du dich ohne Richtung losbewirbst?

Ohne Richtung bewirbst du dich auf das, was gerade ausgeschrieben ist und sich zumindest halbwegs gut anhört. Auf Rollen, die ungefähr passen, die sich sicher anfühlen oder die deinem jetzigen Titel am ähnlichsten sind. Nicht auf Rollen, die du bewusst gewählt hast.

Das hat zwei Folgen. Die erste: Deine Unterlagen bleiben austauschbar. Wer nicht weiß, wofür er steht, schreibt einen Lebenslauf, der alles ein bisschen zeigt und nichts wirklich betont. Für die Person, die ihn liest, ist dann schwer zu erkennen, warum genau du für genau diese Rolle die richtige Wahl bist.

Die zweite Folge wiegt schwerer. Wenn die Absagen kommen oder die Rückmeldungen ganz ausbleiben, liest du sie als Aussage über dich. Über deine Erfahrung, dein Alter, deinen Wert. Dabei sind sie oft eine Aussage über die Richtung. Über Bewerbungen, die nie wirklich zu dir gepasst haben.

Genau hier beginnt bei vielen die Spirale, die ich in Gesprächen immer wieder höre: mehr Bewerbungen, mehr Absagen, mehr Zweifel. Und irgendwann die Frage, ob es überhaupt für irgendeine Stelle reicht – wenn es schon bei den nicht perfekten nicht klappt.

Schritt 1: Was kannst du besonders gut, und was willst du nicht mehr?

Der erste Schritt ist Klarheit. Und damit meine ich nicht die Frage nach deiner Rolle, sondern die Frage darunter: Was kannst du besonders gut? Wobei bekommst du Energie, und wobei verlierst du sie? Was willst du künftig weniger oder gar nicht mehr tun?

Gerade nach vielen Jahren in einem Unternehmen fällt diese Antwort erstaunlich schwer. Die meisten beschreiben ihre Aufgaben, nicht ihre Stärken. Warum das so ist und wie du deine Stärken wieder sichtbar machst, habe ich im Artikel „Eigene Stärken erkennen: Der blinde Fleck nach 15 Jahren“ ausführlicher beschrieben.

Dieser Schritt ist keine Selbstfindung auf unbestimmte Zeit. Mit guten Fragen und etwas Ehrlichkeit dir selbst gegenüber lässt er sich in wenigen Wochen klären. Und er verändert alles, was danach kommt.

Schritt 2: Welche Rolle suchst du, und was ist nicht verhandelbar?

Aus der Klarheit über deine Stärken wird im zweiten Schritt eine Richtung. Welche Art von Rolle passt dazu? In welchem Umfeld? Und unter welchen Rahmenbedingungen?

Dazu gehören ganz handfeste Punkte: Gehalt, Standort, Arbeitszeiten, Führungsspanne, Reiseanteil, Remote-Anteil. Es lohnt sich, diese Punkte einmal bewusst in zwei Gruppen zu teilen. Was ist für dich nicht verhandelbar? Und was wäre schön, aber kein Ausschlusskriterium?

Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber einer der größten Hebel. Denn ohne klare Kriterien kannst du keine Chance bewerten. Jedes Angebot fühlt sich dann entweder wie eine Rettung oder wie eine Bedrohung an. Mit Kriterien wird daraus eine Entscheidung, die du in Ruhe triffst.

Schritt 3: Wer sollte wissen, wonach du suchst?

Erst wenn du weißt, wohin du willst, kannst du es anderen sagen. Und das ist der dritte Schritt: nach außen gehen.

Gemeint sind die Menschen, die wissen sollten, wonach du suchst. Frühere Kolleginnen und Kollegen, die heute woanders arbeiten. Menschen aus Projekten, von Kongressen, aus deinem Netzwerk bei Agenturen und Dienstleistern. Nach vielen Jahren in der Branche kennst du mehr Menschen, als dir im ersten Moment bewusst ist.

Viele Rollen – man spricht von bis zu 80% je nach Level –  werden besetzt, bevor sie jemals auf einem Stellenportal stehen. Über Empfehlungen, über Gespräche, über jemanden, dem dein Name im richtigen Moment einfällt. Wie dieser verdeckte Arbeitsmarkt funktioniert und wie du ihn für dich öffnest, liest du im Artikel „Der verdeckte Arbeitsmarkt: Wie Stellen vergeben werden, bevor sie ausgeschrieben sind.“

Der entscheidende Punkt: Diese Gespräche funktionieren nur, wenn du klar sagen kannst, was du suchst. „Ich schaue mich mal um“ bleibt niemandem im Kopf. „Ich suche eine Rolle an der Schnittstelle von Medical und Marketing, gern mit Führungsverantwortung“ schon eher.

Und wann kommen die Unterlagen dran?

Danach. Nicht, weil der Lebenslauf unwichtig wäre, sondern weil er erst dann seine Aufgabe erfüllen und erst dann zielgerichtet geschrieben werden kann .

Ein guter Lebenslauf zeigt, was du bisher gemacht hast. Und er spiegelt die Richtung, in die du willst. Finden kann er diese Richtung nicht für dich. Wer das Dokument zum fünften Mal umbaut, ohne zu wissen, wofür, verändert Formulierungen, aber nicht die Wirkung.

Wenn du weißt, wohin es gehen soll, geht die Überarbeitung plötzlich schnell. Du weißt, welche Erfolge nach vorne gehören, welche Stationen du kürzen kannst und welche Begriffe die Menschen suchen, die über deine Bewerbung entscheiden. Was dabei heute wirklich zählt, habe ich im Artikel „Lebenslauf für Pharma-Fach- und Führungskräfte“ zusammengefasst.

Meine Empfehlung, was du in den ersten Wochen besser sein lässt

Neben der Reihenfolge gibt es ein paar Dinge, die in dieser Phase fast immer mehr schaden als helfen.

So oder so ähnlich erzählen es mir gerade viele, deren Standort geschlossen wird:

„Ich bewerbe mich im Moment auf alles, was irgendwie passt. Dabei weiß ich noch nicht einmal, ab wann ich überhaupt verfügbar bin.“

Genau diese Frage kommt aber in fast jedem ersten Gespräch mit einer Personalberaterin oder einem Hiring Manager: Ab wann könnten Sie starten? Wer darauf keine klare Antwort hat, wirkt schnell unsortiert, auch wenn fachlich alles passt. Und im schlechtesten Fall sagst du einer Stelle zu, bevor du weißt, ob ein früherer Ausstieg deine Abfindung verändert oder ob du bis zum Vertragsende gebunden bist. Wann dein Vertrag endet, ob eine Freistellung möglich ist und was ein früherer Wechsel finanziell bedeutet, gehört deshalb geklärt, bevor die erste Bewerbung rausgeht, nicht danach.

Bewirb dich nicht aus Panik auf alles, was ausgeschrieben ist. Jede Bewerbung ohne echte Passung kostet dich Energie, und jede Absage darauf nagt am Selbstvertrauen, das du für die richtigen Gespräche brauchst.

Unterschreibe nichts unter Zeitdruck. Wenn ein Aufhebungsvertrag auf den Tisch kommt, ist die gesetzte Frist oft kürzer, als die Entscheidung es verdient. Worauf es dabei ankommt, findest du im Artikel „Aufhebungsvertrag in der Pharmaindustrie: Worauf es ankommt, bevor du unterschreibst.“

Und versuche nicht, das alles allein im Kopf zu sortieren. Unsicherheit schiebt uns in einen Modus, in dem wir enger denken, schneller reagieren und Risiken größer sehen, als sie sind. Das ist eine ganz normale Reaktion. Aber sie ist ein schlechter Ratgeber für Entscheidungen, die die nächsten Jahre prägen.

Verlierst du nicht Zeit, wenn du erst Klarheit schaffst?

Das ist die Sorge, die ich am häufigsten höre. Wenn der Job wackelt, fühlt sich jede Woche ohne Bewerbung wie verlorene Zeit an.

Meine Erfahrung ist eine andere. Klarheit ist kein Umweg vor der Suche. Sie ist die Abkürzung. Die Wochen, die du am Anfang in deine Richtung investierst, sparst du später doppelt: bei Bewerbungen, die nicht passen, bei Gesprächen, die ins Leere laufen, und bei Zweifeln, die dich unnötig Kraft kosten.

Und noch etwas verändert sich. Wer weiß, wohin er will, tritt in Gesprächen anders auf. Ruhiger, klarer, souveräner. Das spüren die Menschen auf der anderen Seite des Tisches, lange bevor sie deinen Lebenslauf zu Ende gelesen haben.

Wenn dein Job gerade wackelt, ist das eine unbequeme Situation. Aber sie ist auch ein Moment, in dem du die Richtung selbst bestimmen kannst, statt sie dir von einer Umstrukturierung vorgeben zu lassen. Die Reihenfolge entscheidet darüber, welche dieser beiden Möglichkeiten es wird.

Dein Job wackelt, und du weißt noch nicht, wohin?

Im Klarheitsgespräch schauen wir gemeinsam auf deine Situation: wo du gerade stehst, bei welchem der drei Schritte es hakt und was dich jetzt am schnellsten voranbringt. Unverbindlich und kostenfrei, 30 Minuten.

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